David Haus - Der Name ist Programm (28.04.10) |
Haus David – Der Name ist Programm
Eine Frau, die bei Tisch nicht sagen kann, was sie möchte, wirft Geschirr zu Boden. Ein junger Mann, der sich permanent unverstanden fühlt, weil er sich nicht mitteilen kann, schlägt nach seinem Gesprächspartner oder verletzt sich selbst. Jemand, der sich selbst nicht versteht, die Nähe anderer Menschen nicht erträgt, läuft einfach davon. Jemand, der seine Angst nicht beschreiben kann und sich bedroht fühlt, schreit laut, durchdringend, andauernd. Es sind Verhaltensweisen und Reaktionen, die andere - auch im wörtlichen Sinn – vor den Kopf stoßen, die Mitbewohner einer Gruppe nicht mehr aushalten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihre Grenzen bringen. Das Leben mit solchen Verhaltensweisen in einer üblichen Wohngruppe wird zu schwierig, sie in einer geschlossenen Gruppe unterzubringen, kam nicht in Frage. Was also tun?
Regens Wagner Holnstein ging mit einem neuen Konzept mutig voran, um diesen Menschen ein Zuhause zu geben, um sie verständnisvoll und geduldig zu begleiten und zu betreuen.
Da ist einmal das Gebäude, das David-Haus, das mit seinen Einzelzimmern zwölf Personen eine Wohnung bietet. Finanziert wurde der großzügige Neubau aus Eigenmitteln und Zuwendungen der Aktion Mensch.
Das Konzept spiegelt sich in der Architektur wieder: ein weitläufiger Garten, der sicher eingezäunt ist; zum Teil schallisolierte Wände, damit man im eigenen Zimmer der Wut freien Lauf lassen kann, ohne andere zu stören; großzügige Zimmer, dass einem beim Rückzug und beim Alleinsein die Decke nicht auf den Kopf fällt. Da ist zum anderen ein sehr flexibles pädagogisches Konzept, das den Spagat schafft zwischen Sicherheit und Gefährdung, zwischen Führen und Gängeln, zwischen Geborgenheit und Isolierung, zwischen Aufsicht und Selbstbestimmung, geschützter Atmosphäre und viel Bewegungsfreiheit. Die richtige Balance ist täglich neu auszutarieren. Zum Dritten gehören engagierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu, die bereit sind, diesen beschwerlichen Weg mit den betroffenen Menschen zu gehen, ihnen mit einer offenen Haltung zu begegnen und die nicht ausbleibenden Rückschläge auszuhalten.
Dazu gehört die Bereitschaft, Spannungen und Ungewissheiten auszuhalten, Arbeitsabläufe und organisatorische Strukturen zu verändern und sich ständig weiterzubilden. Das Konzept zeigt bereits Wirkung. Die Sicherheit gebende Struktur und der bestehende Freiraum, die intensive Begleitung im Tagesablauf, sinnvolle Tätigkeiten und die gezielten pädagogischen Maßnahmen brachten schon einige Fortschritte.
Manche der Bewohner und Bewohnerinnen können wieder an den gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen, sie öffnen sich anderen Menschen, können sich gefahrlos außerhalb ihres Zimmers bewegen. Der Mut, sich einer schier übermächtigen Herausforderung zu stellen, hat sich gelohnt, wie bei David, dem Namensgeber des Hauses.
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